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Ein Rockstar erobert China – wenn selbst Michael Atug die Spucke wegbleibt

Ein Rockstar erobert China – wenn selbst Michael Atug die Spucke wegbleibt

Erstes Kapitel
Drachenbootfest – In 30 Stunden um die (halbe) Welt

10 Tage China. 10 Tage voller Erwartungen. Ich habe mich darauf gefreut die motivierten Start-up-Unternehmen kennenzulernen, mich von Technik und Innovationen begeistern zu lassen, und hatte gehörig Muffensausen vor dem berühmt berüchtigten Essen.
10 Tage in und mit einer fremden Kultur und die Möglichkeit neue, besondere Menschen treffen zu dürfen.
Nach dreißig Stunden Anreise bin ich ins Hotelbett gefallen, wie ein Sack Weizenmehl Nr. 405.
Meine Knöchel waren vom langen Sitzen aufs doppelte angeschwollen, ich hatte Hunger, Durst und wollte nur noch Duschen. Die abenteuerliche Reise, die Hitze und Luftfeuchtigkeit hatten mir zugesetzt und ich fühlte mich wie Indiana Jones (nur ohne Hut und Peitsche), der immer noch auf der Suche nach dem Schatz war, weil er sich im Tempel des Todes verlaufen hatte.
Aber ich erzähle am besten von Anfang an.

 

Am 05.06.19 war es soweit. Ich war startklar – ready to take off – nach Shanghai abzuheben, um brandneue Start-ups zu unterstützen, auf den Zahn zu fühlen, und mich von leidenschaftlicher Motivation inspirieren zu lassen.
Ich hatte gerade in Berlin auf der K5 meine Masterclass beendet, war mit einem Bein von der Bühne und hatte mit dem anderen bereits den Flieger nach Shanghai (über Amsterdam) betreten. Alles ein wenig stressig. Also, ganz normal…wie immer bei mir.
Als Vorbereitung hatte ich einen Reise- und Zeitplan gemailt bekommen und die Infos Ankunft Airport Shanghai, dann mit dem Zug nach Nanjing, dann kauf dir ein Ticket in der Railstation (Bahnhof)…. alles kein Problem.
Diese Instruktionen und Tipps lasen sich auf dem Papier tatsächlich sehr einfach. Die Realität sah so aus:

1 Hürde: Alles auf Chinesisch. Lacht nicht! Aber ich habe angenommen, dass in einem technisch hoch entwickeltem Land, mit Touristen en masse, englische (Hinweis)Schilder selbstverständlich seien. So war es nicht.

2 Hürde: Ein Zugticket wird immer erhältlich sein. So war es nicht.

3 Hürde: Dann nehm‘ ich mir zum Hotel einfach ein Taxi. Angebliche Fahrtdauer ca. 3 Stunden.

 

 

Die fehlende Einbindung von Englisch ist für Besucher ohne Dolmetscher oder chinesischen Sprachkenntnissen mies. Schilder, Straßen, Firmen usw. alles nur in Chinesisch.
Ein Segen, dass am Ticketschalter (erst mal hin kommen war ein Kunstakt) eine Dame etwas Englisch sprach.
Ich wurde darüber aufgeklärt, warum alle Tickets, inklusive nach Nanjing, ausverkauft waren. Das Drachenbootfest. Ein Spektakel, das in China zu den drei wichtigsten Feiertagen im Jahr gehört. Also keine Chance mit dem Zug irgendwohinzukommen. Mein Gesichtsausdruck war anscheinend so verzweifelt und herzzerreißend, dass die nette Dame zum Telefon griff. Nachdem sie aufgelegt hatte, offerierte sie mir strahlend, dass ich eine freie Sitzbank ihm Bahnhof zum Schlafen nutzen dürfe.

Nach ca. 26 Stunden auf den Reise-Beinen, musste ich ihr Angebot ablehnen, schnappte mir ein Taxi (Fahrtzeit wie gesagt angeblich 2,5 Std.) und mein Abenteuer ging weiter.
Es kam, wie es kommen musste. Das Auto machte sofort schlapp. Und hier zeigte sich das erste Mal, dass die Chinesen geborene Macher sind. Das wurde nicht gejammert, vertröstet und überlegt, es wurde gehandelt. Der Fahrer sprang raus, hielt ein anderes Taxi an, ich wurde umgepackt und weiter ging es. Ich muss zugeben: Das hatte mich schon beeindruckt. Richtig verblüfft war ich allerdings, als wir nach ca. 1 Stunden zum Taxifahrer nach Hause gefahren sind und noch irgendeine andere Person aufgegabelt haben, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Was in dem großen gefüllten blauen Müllsack drin war, den er hinten in den Kofferraum einlud, werde ich wohl (Gott sei Dank!) nie erfahren.
Aus 3 Stunden wurden aufgrund von massiven Staus fette 5 Stunden. Dann kam ich an meinem Hotel an. Ein meganobles 5-Sterne-Hotel, aber davon bekam ich erst mal nichts mit.

 

Zweites Kapitel
Andere Sitten – Ein paar Promille

Ein neuer Tag. Ich war halbwegs ausgeschlafen, frisch, startklar und hungrig. Eine herzhafte Suppe zum Frühstück? Warum nicht? Ich war in China und da wollte ich auch authentisch Leben und neue Erfahrungen machen. Die Suppe war sehr, sehr gut, außer: Zigarettenqualm, Raucher neben mir, vor mir, hinter mir. In China ist Rauchen überall erlaubt. Für mich als Nichtraucher keine schöne Erfahrung.
Ich brauchte erst mal frische Luft, wollte spazieren gehen. Bei diesem Satz würde jeder Großstadt Chinese vor Lachen aus den Schlappen kippen. Warum?

 

  • Chinesen gehen nicht. Sie sind fußfaul, vorsichtig ausgedrückt. Überall E-Bikes, Roller und sogar motorisierte Tuktuks. Fahrräder – Nö.
    Für Strecken ab 50 Meter und länger, wird der Bus oder ein Taxi genommen (extrem billig).

 

  • Klima. Hitze, Smog und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 92%.
    Ergo, man will immer sitzen.

 

Der nächste Punkt auf meinem Terminplan war ein wichtiges Business Dinner. Einflussreiche Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Firmen, Stadtämtern und Politik.
Ich bin ein lockerer Mensch. Aufgeschlossen und experimentierfreudig. Gehe Sachen auch mal gelassen an. Lasse Dinge gerne auf mich zukommen.
Nun muss ich aber zugeben, dass ich mich vor der Abreise literarisch vorbereitet, eingelesen habe, was Kultur, Regeln und gastronomische Besonderheiten betraf. Was darf man machen und was ist ein No-Go. Also, die Magen-Darm Tabletten hatte ich dabei und war entschlossen, fast alles zu probieren. Die Mitglieder meiner MCR Gruppe auf Facebook, waren natürlich ganz in ihrem Element, die exotischsten Vorschläge auf meinem Teller zu sehen (könnt ihr in der Gruppe und auf Insta detailliert verfolgen). Ein kleines Resümee:

  • Ja, ich habe mich oft getraut, aber nicht oft genug. Bei Entenzunge, Hühneraugen, Schweineohren, Hühnerfüßen und Ähnlichem musste ich passen.

 

  • Leider wenig für den westlichen Geschmack geeignet (oder meinen, wer weiß?).

 

  • Ich habe aber trotzdem zugenommen LOL.

 

  • Positiv: Ich habe großen Respekt davor, dass in China alles verwendet, zubereitet und gegessen wird. Da gibt es nicht nur Filetstücke und der Rest wandert in die Tonne. Nein! Zugegeben, es war für mich nicht einfach, dass Zungen, Augen oder Hufen aufgetischt wurden. Aber ich finde es bemerkenswert, dass alles von einem Tier zubereitet und verwertet wird.

 

Nun komme ich zu den Verhaltensregeln, die ich tagelang studiert und nach einer halben Stunde beim Business Dinner über Bord geworfen habe.
Natürlich kann ich nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen! Ob es in einer familiären Runde anders zugeht, kann ich nicht beurteilen.

 

  • Komm nie zu spät. Pünktlichkeit ist das A und O.
    Diese Regel hatte ich mir zu Herzen genommen und traf 30 Minuten früher ein. Ich war ganz allein. So saß ich da, allein, bis meine chinesischen Gastgeber und Gäste erst nach einer Stunde  eintrudelten

 

  • Kein Körperkontakt
    Diese Regel hatte ich mir ebenfalls zu Herzen genommen, weil ich „ein Fummler“ bin. Ich klopfe meinem Gegenüber gerne auf die Schulter, berühre Arm oder Hand und ein herzliches Drücken und Umarmen gehört für mich dazu.
    Nun saß ich also erst mal etwas steif und zurückhaltend am Tisch, konnte mich aber natürlich nicht lange zügeln. Habe reflexartig mal dann und wann jemanden die Hand gedrückt, geklopft und getätschelt. Was soll ich sagen? Sie haben es geliebt!

 

  • Lautes Reden und Lachen verpönt
    Ebenfalls ein veraltetes Vorurteil. Ich war einfach ich selbst und was soll ich sagen? Auch das haben sie geliebt.

 

Aber, wenn ihr mal zu einem Geschäftsessen eingeladen werdet, sind folgende Verhaltensregeln einzuhalten: Es herrscht eine strenge Sitzordnung am Tisch.
Der Ranghöchste sitzt immer am Kopf. An einem runden Tisch nicht sofort zu erkennen, aber die Aufteilung sieht immer so aus, dass z. B. der Bürgermeister die Nummer eins ist. Dann folgen zu seiner Rechten und Linken, Firmenchefs, Menschen mit viel Einfluss usw.. Alle Personen, in einer weniger starken Position sitzen am Ende der Runde oder am nächsten und sogar übernächsten Tisch. Sie müssen auch darauf achten, dass ihre Gläser niemals höher gefüllt sind, als vom Ranghöchsten. Wenn er sein Glas nur zur Hälfte ausgetrunken hat, dürfen Assistenten oder auch Gäste, ihre Gläser niemals bis zum Anschlag auffüllen lassen.

 

 

Dann komme ich zum promillegetränkten Teil des Abends.

Während des Dinners wurde mir schnell klar (gemacht), dass ‚business by drinking‘ keine Kür, sondern Pflicht war.
Nun hatte ich trotz der Essens-Challenge und unterschiedlichen Häppchen nicht viel Füll-Saug-Material im Bauch. Aber der Alkohol floss großzügig, hochprozentig und nonstop. Bei jedem neuen Gläschen wurde gerufen „Ganbei!“. Das bedeutet so viel wie „Auf Ex! – Trockenes Glas!“. Ich bin keinen Alkohol gewohnt. Ich vertrage nicht viel und es dauerte nicht lange, bis der Abend eskalierte. Nach kurzer Zeit stimmte ich laut in den Schlachtruf „Ganbei!“ ein und beendete jedes Schlückchen, indem ich mein Glas mit einem extrem lauten Knall auf den Tisch haute und ein sehr lautes HEY! schrie. Und wenn ich sage schrie meine ich auch schrie! Laut, sehr sehr laut.
Der Rest des Abends verlief dann so: (alle) „Ganbei!“ (ich) Knall und „Hey“ – Gelächter. (alle) „Ganbei!“ (ich) Knall und „Hey“ – Gelächter. (alle) „Ganbei!“ (ich) Knall und „Hey“ – Gelächter. Die Chinesen haben es geliebt und ich war der Star (oder Depp) des Abends.

 

Dass in China das Handy einen enormen Stellenwert und Wichtigkeit hat, habe ich mir irgendwie gedacht.
Dass es praktisch mit der Hand verwachsen ist, übertraf meine Vorstellungskraft.
Ein Telefonat wird immer entgegengenommen, die Textnachricht wird sofort beantwortet, egal, ob man in einem immens wichtigen Meeting sitzt, gerade von der Polizei angehalten wird oder ein romantisches Rendezvous hat. Das Handy hat oberste Priorität. Einmal ging mein Kopfkino los und ich habe mir vorgestellt, wie ein Neurochirurg während einer OP auf Leben und Tod, vor einem geöffnetem Schädel steht und mit seiner Frau skyped und die Einkaufsliste bespricht.
Klingelton ausschalten? Ein kurzes „Ich rufe zurück“? Handy ausmachen? Never ever!!!
Kurze Insider Info: Wer etwas auf sich hält, hat ein iPhone.

 

 

Drittes Kapitel
ROADSHOW – DICKE HAUFEN

Die Roadshow war über mehrere Städte verteilt, in denen Start-ups ihr Unternehmen vorstellen konnten. Durch meine Masterclass bei der K5 hatte ich leider den ersten Tag in Shanghai verpasst, aber vor mir lagen noch Nanjing, Jiaxing, Taicang und Rugao.
Und nun war es soweit. Der zweite Tag der Roadshow in Nanjing. Ich saß echt megagespannt im Publikum und starrte auf die Bühne.

Die Geräuschkulisse im Saal war wie auf einem Jahrmarkt, weil, wie eben erwähnt, alle Handys aktiv waren und tausend Klingeltöne sich überschnitten (ich könnte schwören, dass ich irgendwann „Verrückter Frosch auf Motorrad“ gehört habe).
Neben mir saß ein Chinese und schlief entspannt wie ein Baby. Vier Plätze zu meiner Linken entdeckte ich einen Weiteren, der ein Nickerchen machte. Das war für mich befremdlicher als die Speisekarte. Später habe ich erfahren, dass es nicht Ungewöhnliches ist, wenn der Chef schläft, während sein Assistent (für ihn) zuhört, sich Notizen macht, um dem Vorgesetzten später resümieren und berichten zu können.

Ich saß also da, kam der Versuchung sehr nahe ebenfalls für eine Nanosekunde meine Augen auszuruhen, als Paukenschläge, Synthesizer, Marschkapelle, drei Harfen und eine Triangel mit einer Lautstärke von gefühlten drölftausend Dezibel mein Trommelfell auseinanderrissen. Der Kollege neben mir öffnete das linke Auge…und schloss es wieder.
Der Grund des Infernos, war die Eröffnung des ersten Pitches. Die Musik war dermaßen heroisch und emotional, dass sich meine gesamte Körperbehaarung aufgestellt hatte, und das ist einiges (#breitesgrinsen, #zwinker).
Stellt Euch das Intro von ‚2001 Odyssee im Weltraum‘ vor oder einen Mix aus ‚Rocky‘ und ‚Herr der Ringe‘. Es war ein beeindruckendes Spektakel und ein sensationelles Audio-Highlight. Der Chinese zu meiner Linken öffnete das linke Auge… und schloss es wieder.
Irgendwann während der Vorstellung kam mein Dolmetscher und erklärte mir, dass mich die Veranstalter sehen wollten. Ok, ich also hinterher.

 

V (Veranstalter): Leider sind zwei Start-ups für die komplette Roadshow ausgefallen.
M (Micha): Nickt.
V: Könnten sie einen Pitch vorbereiten?
M: Wie bitte???? Excuse me?? Ich??
V: Nickt.
M: Ihr seid ja lustig! WER, WIE, WAS? WIESO, WESHALB UND VOR ALLEM WIE? soll ich denn auf die Schnelle pitchen? Welches Thema? Produkt? Bis Morgen? Normalerweise hat man Monate, wenn nicht sogar Jahre, Vorbereitungszeit!
V: Nickt.
M: Lacht.

 

Ich musste einfach lachen. So ein leicht hysterisches, ungläubiges, verlegenes Lachen.
Aber, wer mich kennt weiß, dass mein Hirn schon auf Hochtouren lief. Es was ein großer Vertrauensbeweis, einmalige Chance und Ehre in verschiedenen Städten ein Produkt/Idee vorstellen zu dürfen.

 

Also ging es ab ins Hotel und bei einigen Liter exzellentem Tee habe ich meine ganze Energie und Hirnschmalz auf einen genialen Einfall fokussiert. Bääämmmmm…und er kam.
Was soll ich sagen? Mein Pitch schlug unfassbarerweise ein und begeisterte.
Ist noch top secret. Aber ich werde davon erzählen, wenn es tatsächlich klappen sollte. Aktuell befinden wir uns aber noch in Gesprächen und somit ist es theoretisch denkbar, dass was draus wird.
Ihr könnt Euch erinnern, dass die Chinesen großen Wert auf die Sitzordnung am Tisch legen. Tatsache: Vor meinem Pitch war meine Platzkarte fürs Dinner irgendwo an einem der hinteren Tische positioniert worden.
Tatsache: Nach meinem Pitch war die Karte verschwunden und ich saß am großen Tisch der Chefs, Bürgermeister und Organisatoren. Diese waren von meinem Pitch so beeindruckt, dass sie darauf bestanden, mit mir an einem Tisch zu sitzen. Das gab mir die Bestätigung, dass sich die Arbeit in der Nacht gelohnt hatte. Es schmeichelte mir, keine Frage und ich war stolz auf meine Leistung, aber ich weiß auch, dass einem diese Vergünstigungen genauso schnell wieder genommen werden und man zurück an den Katzentisch neben der Toilette verbannt werden kann, sobald Leistung und Respekt schwinden und die Person nicht mehr interessant scheint.
An diesem Abend habe ich viel Insiderwissen aufschnappen können, wie Business in China läuft, wo die Prioritäten liegen und wie die Geschäftsmänner ticken.

 

  • Bescheidenheit – gibt es nicht
    Hier wird alles ins Rampenlicht gehalten, ausgeleuchtet und auf den Tisch gelegt, was man hat. Das fängt bei Handy, Uhr an, geht übers Auto und Immobilien.
    Ganz vorne mit dabei, mit enorm hoher Priorität, zählen wichtige Geschäftsbeziehungen und endet mit der Karriere und der eigenen Firma.
    Ich muss es knallhart sagen: Jeder scheißt einen dickeren Haufen. Und das laut und ungeniert.

 

  • Think Big
    Alle Pläne und jedes Vorhaben der Chinese werden gigantischer, erfolgreicher und moderner, angekündigt und geplant. Sie wissen (oder glauben es zu wissen), was in zwei Jahren, in fünf      oder in neun anstehen wird, und sie haben immer die passenden Zahlen von Statistiken, Vergleichen und Ergebnisse im Kopf. Innerhalb von einer Millisekunde können sie genaue Umsätze  aufzählen, hauen einem die Gewinnspanne und Verluste um die Ohren.

 

  • Es gibt viel Regionen und Städte, die sich gezielt auf bestimmte Marktsegmente konzentrieren.
    Taican hat sich auf die Entwicklung und Produktion von E-Motoren spezialisiert. Sie ist zu einer Zentrale für Deutsch-Chinesische Zusammenarbeit gewachsen. Andere Bezirke fokussieren    sich auf Modelabels oder Pharmaindustrie. Das ist eine effiziente Synergie für Forschung, Herstellung und Fachkräfte, die sich auf ein Produkt konzentrieren.
    Diese Gebiete wachsen Jahr um Jahr und das Konkurrenzdenken spitzt sich immer weiter zu. Jede Region und jede Stadt kämpft mit Ellenbogen und Tritten, falls nötig, wenn es z. B. um        Förderung, Rechte und Fläche geht.

 

  • Kopieren, klauen – lachhaft
    Ich hatte die Möglichkeit mich lange mit Mr. Li zu unterhalten, einem hochrangigen Industrievertreter.
    Nach einigen „Ganbeis!“ habe ich das Risiko an einen Tisch ganz hinten in der Ecke verbannt zu werden in Kauf genommen und das Thema Kopieren angesprochen. Aber er sah das sehr gelassen, zuckte mit den Schultern und sagte „Wir haben viele schlaue Menschen, gute Ideen und noch bessere Technik. China hat es gar nicht nötig zu kopieren. Wir machen einfach.“

 

 

Viertes Kapitel
Zwischen Superstar und Outsider – Big Brother is watching you

Während meines Aufenthaltes habe ich Chinesen gar nicht bis überhaupt nicht herzlich, laut lachen gesehen. Ihre Emotionen von Heiterkeit waren immer stark kontrolliert.
Aus diesem Grund hat es mich jedes Mal überrascht, dass sie extrem neugierig und auch sehr aufgeschlossen neuen Sachen gegenüber waren. Sie fragen und filmen. Sie filmen alles, überall und jederzeit.

In jedem Landes- oder Stadtteil, der nicht von Touristen überlaufen war, richteten die Chinesen Nonstop ihre Handys auf uns Europäer. Als ich z. B. in der Straßenbahn saß, streichelte mir ein älterer Mann über meinen behaarten Unterarm und gleichzeitig filmte er unsere faszinierende Begegnung mit seinem Smartphone. Fairerweise muss ich erklären, dass Chinesen oder vielleicht alle Asiaten, kaum Körperbehaarung haben. Ich schwankte zwischen dem Gefühl als Superstar und einer exotischen Zirkusattraktion betrachtet zu werden. Ich war die haarige „Langnase“ und bezahlte cash mit RMB, Renminbi (chinesische Währung). Menschen, die mit Bargeld bezahlen, gehören heutzutage in China zu einer Art aussterbenden Spezies. Alles läuft bargeldlos über WeChat. Diese App wurde 2011 als Messenger und Social-Media-App entwickelt, gilt aber heute vor allem als das Zahlungsmittel schlechthin.

Die Chinesen lieben es zu filmen, müssen allerdings auch damit leben, dass ihre Leben ebenfalls auf Schritt und Tritt aufgenommen und festgehalten wird. Ich hätte es mir never, ever vorstellen können, dass ein Land so viele Kameras installieren kann. Wenn ich sage, da waren überall Kameras, dann waren da auch überall Kameras. Alles läuft über Gesichtserkennung.
Zu schnell gefahren und der Fahrer wird per Gesichtserkennung gescannt, Vergehen ausgewertet und der Strafzettel geht automatisch an den Verkehrssünder. Das funktioniert bzw. wird auch bei Fußgängern durchgezogen. Bei Rot über die Ampel gehen und Zack aufgenommen. An einem Tag war ich live dabei, wie ein Rollerfahrer wegen einer Verkehrswidrigkeit von der Polizei angehalten wurde. Diese habe nicht nur seine Papiere kontrolliert, sondern zusätzlich Aufnahmen für die Gesichtserkennung von ihm angefertigt. Frontal, von Links und von Rechts.

Ein Vergehen, Regelverstoß wird als negativer Punkt „gesammelt“, können aber durch Positive aufgehoben werden. In China regiert das Social Credit System. Kurz zusammengefasst und vereinfacht:
Überall werden Punkte, Credits gesammelt. Gute und Schlechte. Diese werden durch unterschiedliche Quellen ermittelt und zusammengetragen.
Beispiel: Das Kaufverhalten durch/mit Alibaba. Kaufst Du eine Bio-Gurke bekommt man einen positiven Punkt. Gönnst Du Dir einen Pornofilm, einen Negativen. Dann kommen noch unterschiedliche Aktionen im Leben dazu, finanzielle Verpflichtungen, pünktlichen Abzahlung, usw.
Der Anreiz, so viele Pluspunkte wie möglich anzusparen, liegt darin, dass mit Stipendien, verbesserten Krankenversicherungen oder günstigen Krediten geworben wird.

Hallo… gläserner Mensch.

 

 

Fünftes Kapitel
Machen, Machen, Machen – Gegensätze

Als ich in der ersten Nacht völlig fertig ins Bett gefallen bin, wurde über mir im Hotel gebohrt und gehämmert. Die oberen Etagen waren noch nicht fertiggestellt und es wurde pausenlos, also 24/7, auf Hochtouren gearbeitet.
Bauamt, Gäste und Trivago gefragt? Nö, einfach gemacht. Wenn Bob der Baumeister beschließt weiter zu machen, wird das gemacht und durchgezogen, mit wenig Rücksicht auf Verluste.
Steht eine neue Straße, Parkplatz oder Schule auf dem Plan und muss gebaut werden, dann wird das blitzschnell entschieden. Da gibt es keinen jahrelangen Papierkrieg mit Ämtern. Keine Eingangskörbchen, Bearbeitungskörbchen oder Bewilligungskörbchen auf den Schreibtischen.

Umweltschutzorganisationen ziehen den Kürzeren, wenn sie eine gefährdete Heuschreckenart, die auf der Wiese hüpft, schützen möchten.
Es wird gemacht. Was oder wer dabei auf der Strecke bleibt und das Nachsehen hat, wird sich erst in der Zukunft zeigen, oder rächen.
China hat Power, Geld und Connections PLUS die Möglichkeiten.
Nachwuchs und Talente werden sofort aufgespürt und bis zum Abwinken gefördert. Jetzt darf man aber auch nicht vergessen, dass es einen erheblichen Faktor gibt, den wir z. B. in Deutschland nicht haben. Die Größenverhältnisse von Land und Menschenmasse spielen in einer ganz anderen Liga. Kleiner Vergleich:

  • Deutschland würde ca. 28 Mal in China passen
  • Bevölkerung Deutschland ca 0,082 Milliarden – China ca. 1,4 Milliarden

Ergo, die Chance Genies und Macher in der Truppe zu haben ist einen Hauch wahrscheinlicher.
Dieser motivierte Tatendrang und „Macher-Syndrom“ hat immer zwei Seiten zu verzeichnen. Fortschritt, Entwicklung und wirtschaftliche Vorteile gehören garantiert zu den günstigen Resultaten.
Klitzekleines Beispiel: Drei-Schluchten-Talsperre. Doppelt so hoch wie der Kölner Dom, wird bei Fertigstellung ca. 5,3 Mrd. EUR geschluckt haben.
Fakt: Das Wasserkraftwerk ist mit einer installierten Generator-Leistung von 22,5 Gigawatt das größte der Erde.
Fakt: Für dieses Projekt wurden Millionen Bewohner zwangsweise umgesiedelt. Folgeschäden und Belastungen der Natur zeichnen sich bereits ab.
Fakt: Die Politik entscheidet bzw. hat entschieden.

Meine Empfindungen in China waren manchmal verwirrend und sehr unterschiedlich.
Ich war zwischen Faszination, Respekt, Zweifel und Skepsis hin- und hergerissen.
Viele Eindrücke haben mich schlichtweg positiv umgehauen und dann bohrten sich manchmal Kritikpunkte an die Oberfläche. China ist ein Land mit vielen Widersprüchen.
Draußen laufen alle mit einem Mundschutz herum, weil sie Keime und Smog fürchten, aber gleichzeitig ist China ein Paradies für Raucher. In jedem Gebäude, Restaurant, Hotel, Museum, wurde ich eingeräuchert.
Es war wie ein Flashback bzw. Déjà-vu in die 90er Jahre, bevor die neuen Rauchergesetze in Deutschland verhängt wurden.

Die hochmoderne und allgegenwärtige Technik hatte mich jeden Tag begeistert. Die Einstellung, Tag für Tag alles noch besser machen zu wollen, und dann war es mir unverständlich, dass viele Webseiten oft veraltet, vernachlässigt und einfach nicht aktualisiert werden. Ebenso die Flut an Plastik, steht meiner Meinung nach, nicht im Einklang mit dem zukunftsorientierten Denken.
Manche Erlebnisse und Aspekte finde ich persönlich traurig und widersprüchlich, aber das Land hat mich immer wieder beeindruckt und motiviert, weil die Menschen fleißige Macher sind. Diese Tatsache möchte ich so stehen lassen.

 

 

Sechstes Kapitel
Skurriles – Reisetipps

Ein kleiner Nachschlag zum Thema: Jeder scheißt einen dickeren Haufen. Die verrückteste „Erscheinung“ gab es abends in einem Club.
Ein Mann schritt durch die Besuchermenge und voran eine Frau, die ein Schild mit den Lettern V.I.P. Hochhielt. Ähnlich wie beim Boxen. NEIN – DAS IST KEIN WITZ!!!
Dieser Auftritt wurde von keinem übersehen. Also, genauso, wie geplant und beabsichtigt.
Jetzt folgt ein unappetitliches Thema, das Spucken. In den großen Metropolen ist dieses Ritual zum Glück beinahe verschwunden. Aber in kleineren Städten wird auf der Straße und in Gebäuden ungeniert gespuckt.
Das hat einen medizinischen Hintergrund. Die Chinesen denken, dass es gesund ist und der Körper dadurch gereinigt, auf Trab gehalten wird. Sie empfinden keine Scham, auf der Straße ihren Schleim auszuwerfen.

 

 

Hier kommen ein paar Tipps, wenn ihr einen Besuch nach China plant:

 

  • Zahnseide mitnehmen, weil viele Gerichte/Speisen eine zähe Konsistenz haben und man ständig etwas zwischen den Zähnen kleben hat.
  • Haut rein. Schmatzen, Schlürfen und Rülpsen ist während des Essens gestattet und erwünscht. So drücken die Chinesen dem Koch ihren Respekt und Kompliment aus. Ich habe mir oft gewünscht, dass sie einfach in die Küchen gehen und zu ihm „Danke, super Essen“ gesagt hätten.
  • Klopapier ist rar und auch Klobürste sind selten bis gar nicht auf den Toiletten aufzufinden.
  • Ihr braucht VPN auf dem Handy. Ohne läuft gar nichts!
    VPN (Virtual Private Network) ermöglicht dem User anonym zubleiben, die Zensur zu umgehen, und die Privatsphäre wird geschützt. Ohne VPN könnt ihr weder Facebook noch WhatsApp nutzen.
  • WeChat installieren. Ihr könnt alles bargeldlos bezahlen, selbst den kleinsten Betrag. Wirklich praktisch.
  • Datenvolumen fürs Handy: Plant ca. 1 Gigabyte für Aufnahmen, Surfen pro Woche ein. Streaming habe ich nicht mitkalkuliert #zwinker, #fettesgrinsen
  • Viele Regeln und DONT’S haben sich auf meiner Reise als veraltet und überholt herausgestellt. Ich denke, dass sie sich weiterhin Jahr für Jahr ändern und entwickeln werden. Folgendes ist allerdings immer noch aktuell: Naseputzen am Tisch ist ein No-Go, #konträrsiehespucken.

 

Ich hoffe, dass ich euch einen lebhaften und informativen Bericht von meiner Chinareise vermitteln konnte.
Unter der Berücksichtigung von allen Pros und Kontras, freue ich mich heute schon darauf, wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, wieder nach China reisen zu dürfen. Ich versuche offen und neutral Menschen, Kultur und Land zu begegnen, weil ich der Überzeugung bin, durch diese Einstellung viel Erfahrung und jeden Kontakt, so am intensivsten zu leben und umsetzen zu können.

 

 

 

 

 

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Nicki Ahlgrim
Silvanerweg 16, 55597 Wöllstein
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